Da ich z. Zt. ein bisschen schwer in die Gänge komme (Sommerflaute?), schaue ich mir seit einigen Tagen kostenlose Webinare dieser Onlinecoaches an, die so auf Facebook werben.

Ich brauche gerade Leute um mich, die von „Leads“ und „Funnels“ und „Klienten“ und „fünfstelligem Business“ reden, um wieder in die richtige Biz-Stimmung zu kommen. Die mein Business-Mindset wieder wachküssen.

Meine Online-Mastermindgruppe. Und die wissen nicht mal was davon.

 

Zu einem Teil helfen mir diese Webinare tatsächlich.

Ich komme durch die Sprache wieder in meinen Unternehmerinnen-Mindset.

„Unique selling point“, „Qualifizierung“, „laser sharp focus“ (man muss so viel Englisch reden, wenn man erfolgreich ist.)

All dieser Business-Jargon bringt mich in die gewünschte, professionelle Stimmung.

Jetzt bin ich wieder motiviert. Und kriege neue Ideen.

 

Ich stoße auf Blockaden.

Durchaus. Wenn sie ein Thema ansprechen, bei dem ich am liebsten ausschalten würde, dann weiß ich: Genau dieses Thema ist es, das ich mir näher ansehen muss. Das arbeitet dann noch tagelang in mir.

Diesmal ging es um meine Positionierung (auch so ein Biz-Wort). Als Scannerpersönlichkeit bin ich interessiert an so vielem und möchte das gern auch ganz begeistert teilen. (Nicht umsonst hab ich 4 Blogs am Laufen, darunter eins über Aquarien.)

Was ich aber für Verkäufe meines Produktes brauche ist laserscharfer Fokus.

Ich habe wieder hineingefühlt:

  1. Worin genau bin ich Expertin?
  2. Was ist das eine konkrete Problem (Schmerzpunkt – pain point) meiner Leser, das ich lösen will?
  3. Wie spreche ich das besser in meinen Texten an? Wie kann ich es so einfach wie möglich für den Interessenten machen?

 

Es motiviert mich zum Tun

Ich habe, während die Webinare liefen, meine Webauftritte verbessert. Was ich von allein wohl nicht getan hätte.

Die Texte verändert.

Die Navigation noch etwas angepasst.

Aber ich hab auch viele Dinge gefunden, die ich auf keinen Fall so machen will wie diese Dozenten.

Vielleicht bin ich ein gebranntes Kind und deshalb so skeptisch.

Nach der Wende wurde uns Ossis viel Müll an der Haustür, auf Kaffeefahrten, per Post („Sie haben gewonnen!!“) angedreht.

Später als ich mein eigenes Seminarzentrum führte, kamen mehrere Networkingfrauen mit angeblichen Wundermitteln, die wollten, dass ich das Zeug auch verkaufe. Und Männer in „Businessstammtischen“, die ganz tolle neue Gewinnerzielungssysteme hatten, bei denen wir unbedingt mitmachen sollten.

Man wollte mir schon viel Sch*** andrehen. Ach so tolle Gewinne, Sonderpreise, Wunderdinge und Reichtumschancen.

Deshalb bin ich skeptisch, wenn es zu gut klingt. Und ich glaube, zu recht.

Auch bei diesen Onlineseminaren, die ich mir angeschaut habe, beschleicht mich ein Gefühl:

 

Man wird für dumm verkauft – und man fühlt das

Jedes dieser Webinare – und ihre Anbahnung – lief gleich ab.

Da wird so getan, als hätte ich ein Riesenglück, dass der Dozent genau jetzt Zeit für mich hat.

Komischerweise startet gleich zur nächsten vollen oder halben Stunde ein Erfolgsseminar. Quasi nur für mich. (Super, was mit Technik heute alles geht, muss ich schon sagen!)

Dass so getan wird, als wäre das, was da kommt, live. „Je nachdem, wann der Dozent anfängt …“ Als ob sich wirklich jemand dort live zu dir setzt und mit dir redet.

Der Chat ist natürlich auf „privat“ gestellt, den sieht nur der Dozent. Ja klar. Ist alles live.

„Bitte gib ‚Ja‘ in den Chat ein.“

Ich fühle mich verarscht.

Und dieses Gefühl vom Anfang bleibt dann leider, wenn ich diese Dozenten weiter verfolge.

Jeder weiß doch, dass das Aufzeichnungen sind. Und daran ist absolut nichts auszusetzen.

Also tut doch nicht so, als würdet ihr 1 zu 1 nur mich und die anderen 49, die immer in dem Zähler oben angezeigt werden, betreuen.

„Nur jetzt, nur hier gilt dieses einmalige Angebot!“

Das macht ein negatives unterbewusstes Gefühl bei euren Interessenten. Ich kriege Zweifel: Wenn du mich schon bei so einer unnötigen Sache belügst – tust du das dann vielleicht auch bei deinen anderen Behauptungen? Beispielsweise wenn du mit deinen wundervollen Erfolgen prahlst?

 

Der immer gleiche Ablauf

Haben die alle die gleiche Schulung durchlaufen? Der Wortlaut der Webinare ist fast identisch. Der Ablauf auf jeden Fall. Viele der Sätze wiederholen sich bei allen.

„Sei pünktlich.“ „Wir schließen die Türen nach 5 Minuten.“ „Und am Ende hab ich noch eine Meeeegaüberraschung für dich, DAS Geheimnis, wie auch du …“

Ja klar, genau. Nur du kennst dieses Geheimnis. Die anderen 12 Dozenten, die ich mir auch schon angeschaut hab, haben das nicht gesagt – klar!

Schon Mist, dass du Erfolgsguru dadurch nun doch wieder total austauschbar wirst und ich nicht weiß, wieso ich gerade bei dir kaufen soll. Du sprichst wie all die anderen. Und genau du hast nun DAS Erfolgsgeheimnis für mich?

 

Ich glaube, ich war lange Zeit businessmüde, weil ich dachte, es ginge nur so unehrlich

Jetzt nehme ich mir aus den Webinaren mit, was mir hilft und weiß aber, dass ich bei denen bestimmt nichts buchen werde, weil ich das Gefühl habe, sie sind nicht ehrlich.

Und ich nehme daraus mit, dass ich so nicht arbeiten will.

„Durchbruch-Session“. „Klarheits-Gespräch“. Diese Arbeitsweise widert mich an.

Gleich nach jedem Webinar hab ich mich wieder von der Mailingliste abgemeldet.

Du musst nicht tun, was alle machen.

 

Du darfst in deinem Biz du selbst sein

Ist auch cooler für deine wirklichen Fans.

Glücklicherweise gibt es wirklich erfolgreiche Businessfrauen, bei denen ich merke, dass sie wissen, was sie tun und wie sie es übermitteln, natürlich Verkaufspsychologie einsetzen, aber mich nicht dabei beflunkern. Denn wir bemerken Unehrlichkeit.

Dieser immer gleiche Ablauf, dieses immer gleiche Auftreten all der „super erfolgreichen“, und damit prahlenden Onlinegurus, nervt doch.

Mach’s auf deine eigene Art. Zeig dich.

Sei nur auf den Plattformen, auf denen du gern bist.

Kenne das eine Problem deiner Interessenten, hab einen Fokus, aber sprich und zeig dich, wie du bist. Und folge nicht einem Skript, dem alle anderen auch folgen. (Erst recht nicht, wenn Unehrlichkeit darin eingebaut ist.)

 

Fazit

Der Enthusiasmus der Dozenten ist ansteckend und wirkt auf mich belebend, wenn ich hier zu sehr in meiner eigenen Brühe im Homeoffice herumdümpel.

Aber Unehrlichkeit merkt der Interessent.

Bleib du selbst, „sogar“ – erst recht – in deinem Unternehmen.