Leo Babauta macht es. Joshua Millburn macht es. Ich probiere es jetzt auch mal. Hm, es reizt mich.

Warum ohne Ziele leben?

Wir sind ständig dabei, uns selbst zu verbessern, unsere Lebensumstände noch weiter zu verbessern. Wir streben nach immer mehr. Nach mehr Glück, mehr Geld, mehr Liebe, mehr Wissen, mehr gutem Aussehen.

Die Frage, ob man ohne Ziele leben kann, drückt die Sehnsucht nach Entspannung aus, nach Ruhe, Seinlassen, nach einfach mal nichts müssen. Nur Da- Sein.

Das klingt so verlockend. Aber braucht der Mensch nicht Ziele im Leben, um nicht nur rumzuhängen? Wollen wir uns nicht weiterentwickeln? Müssen wir uns nicht immer wieder antreiben? Oder antreiben lassen? Schwierige Frage.

Es ergeben sich noch so einige Fragen.

  • Warum setzte ich mir bisher Ziele?
  • Was ist überhaupt ein Ziel?
  • Ist nicht das Leben per se, ist nicht jedes Tun zielgerichtet?
  • Was sind meine/deine aktuellen noch offenen Ziele?

Warum setzen wir uns Ziele?

Wir setzen uns Ziele, um im Leben voranzukommen. Um etwas aus uns zu machen. Ja, genau, das ist die hehre Antwort. Die richtige, gesellschaftlich akzeptierte Antwort. (Bin ich denn jetzt noch nichts?!) Aber ich denke, es gibt noch eine andere:

Warum setze ich mir überhaupt Ziele?

Damit ich allen zeigen kann, dass ich produktiv und damit wertvoll bin. Ich setze mir Ziele, weil ich meine, dass andere es von mir erwarten oder eine schlechte Meinung von mir haben könnten, wenn ich ziellos „in den Tag hinein“ lebe.

Wer sind überhaupt diese Anderen?

Mir fallen da ein: Meine Mutter, meine Schwester, meine beste Freundin, mein Partner, das Finanzamt und die Schwiegermutter meiner Schwester. Besonders letzteres ist doch ziemlich hirnrissig, oder? Gelegentlich äußert sie ihre Meinung über den Lebensstil anderer. Aber sollte ich mich wirklich davon runterziehen lassen, wie sie über andere urteilt? Nein!

Ich schätze, das sind einfach die Menschen, die uns im Leben am meisten bedeuten. Denen wollen wir es immer recht machen. So sind wir auch erzogen.

Aber müssen wir es wirklich immer anderen recht machen? Muss nicht jeder vielmehr eher sein eigenes Leben so leben, dass er oder sie selbst damit am Ende zufrieden ist?

Müssen wir es nicht nur uns selbst recht machen? (Und natürlich niemandem schade damit.)

Was ist überhaupt ein Ziel? Ist nicht jeder Entschluss zielgerichtet?

Ist nicht das Leben per se, ist nicht jedes Tun zielgerichtet? Joshua Millburn erklärt in seinem Beitrag, dass man zwischen Ziel und Wahl unterscheidet. Ich wähle, jetzt im Moment zu leben. Und das ohne Beurteilung des „Erfolges“. Und nur für heute, für jetzt.

Als Ziel ausgedrückt wäre das: ‚Irgendwann möchte ich es schaffen, im Moment zu leben.‘ Aha.

Ein Ziel hat man (hoffentlich) auch irgendwann erreicht, und was dann? Wenn du den Marathon gelaufen bist, was tust du danach? Den nächsten Marathon angehen? Kannst du das noch steigern?

Die Wahl (wie einen Vorsatz) trifft man immer wieder auf’s Neue, ein Leben lang. Nur für den Moment. Und dann für den nächsten.

Das nimmt eine Menge Druck von uns, denn wir entscheiden uns „nur für heute“. Und morgen wieder: „Nur für heute“. Schritt für Schritt, nicht für’s ganze Leben.

Und eine Wahl macht uns zuversichtlicher, weil wir das Ergebnis schon besitzen. Denn sobald wir Tag für Tag wählen, etwas mehr im Hier und Jetzt zu leben, erreichen wir auch Tag für Tag das Gewünschte. Und am nächsten Tag entscheiden wir uns wieder neu – dafür, oder auch dagegen.

Das gefällt mir. Mal wieder ist es also eine Frage der richtigen Formulierung. Oder der Sichtweise.

Ich habe eine „In meinem Leben tun“-Liste, eine sogenannte „Löffelliste“ (was ich erleben will, bevor ich den Löffel abgebe) – so wie in dem Film „Das Beste kommt zum Schluss“ mit Jack Nicholson und Morgan Freeman.

Sind das Ziele? Ist das eine Wahl? Sicherlich eine Mischung aus beidem.

Da stehen Länder und Städte drauf, die ich noch bereisen möchte (Ziele). Und Vorhaben, wie sich mein Leben jetzt schon täglich anfühlen soll – voller Liebe, Zufriedenheit, Gesundheit, Abenteuer und Wohlstand (Wahl).

Fazit:

Es ist eine persönliche Entscheidung. Vermutlich hängt es vom Typ ab. Mich motivieren Ziele. Aber ich treffe auch eine Wahl, wie ich leben möchte. Ich nutze also beides, ganz ohne Ziele und Vorhaben kann ich nicht. Sie geben mir Struktur.

Ich brauche viel unverplante Zeit. Aber wenn es zu viel wird, geht es mir auch wieder nicht gut. Wenn ich keinen Grund zum Aufstehen habe, fühle ich mich schlecht.

Aber was ist nun mit der Sehnsucht, einfach mal gut sein zu lassen?

Der können wir eben genau dadurch entgegenkommen: Durch die Wahl, einfach mal anzuhalten und täglich Achtsamkeit und Dankbarkeit zu üben.

Ziele ja, aber entstresst.