An Sonntagen wie heute plagt mich kein schlechtes Gewissen, wenn ich absolut gar nichts geplant habe. Und dann – wahrscheinlich genau darum – überkommt mich oft die größte Kreativität und Produktivität. Dann schreibe ich z. B. bis zu drei Blogposts. Oder ein Buch. Oder bearbeite mal eben hunderte von Fotos.

Man sagt ja nicht umsonst, dass Langeweile kreativ mache.

Es passiert einfach und fühlt sich ganz natürlich an, wie spielen. Wie Kunst machen! Ich nehme mir das nie vor, reite einfach den Wilden Esel, der da kommt. So bin ich am produktivsten – wenn ich mich nicht erst aufraffen muss, sondern es einfach so passiert.

Unter der Woche strömen wieder so viele Anforderungen von außen auf mich ein, meine Zeit ist nicht ganz so frei verfügbar, deshalb bereite ich gern an ruhigen Wochenenden die Woche gut vor, arbeite vor – und kann in der Woche mehr genießen, was sich akut so entwickelt.

An so einem Wochenende kannst du perfekt „üben“, wie sich dein perfekter Tag anfühlen würde und herausfinden, was du zukünftig auch an deinen Wochentagen Schritt für Schritt zum Angenehmeren verändern kannst.

Übung: Wir tun, was wir wollen – dieses Wochenende!

Die Übung für dieses Wochenende: Tun wir mal nur das, was wir wirklich wollen.

Kennst du deinen Inneren Kritiker? Bestimmt, hm? In der kommenden Woche fangen wir an, uns mit ihm auszusöhnen, seine Beweggründe besser zu verstehen und ihn auch mal in Urlaub zu schicken. Machst du mit?

Manche nennen die innere kritische Stimme unser Inner Mean Girl, Inneres gemeines Mädchen, aber mir gefällt dieser Begriff nicht mehr. Sie meint es ja nur gut mit uns.

Es ist die Stimme unserer Eltern, Erzieher, der Gesellschaft, die uns jahrelang – und noch heute, wo wir alle erwachsen sind – eingetrichtert haben, wie man am besten im Leben voran kommt. Dass wir fleißig, ordentlich, strebsam, lieb und angepasst sein müssen, um es im Leben zu etwas zu bringen.

Und die vorhergehenden Generationen mussten tatsächlich auch noch viel mehr rackern als wir heute, denn sie haben nach Kriegen unser Land wieder aufgebaut und all die Erfindungen gemacht, die uns heute so gut und bequem leben lassen. Ihr Motto war immer: „Unsere Kinder sollen es einmal besser haben.“

Und tatsächlich haben wir es heute viel besser und angenehmer als sie. Wir leben in materiellem Luxus. Wir haben alles, was wir brauchen. Sogar mehr, als wir brauchen, viel mehr.

Anpassen mussten wir uns besonders als unmündige Kinder, weil wir vom Wohlwollen unserer Eltern total abhängig waren. Anpassen mussten sich auch noch unsere Eltern und Großeltern, denn ihre Gesellschaft war nicht so frei in Konventionen wie unsere heutige. Unter Umständen lebten sie sogar in einem Staat, der sie fürs Äußern einer anderslautenden Meinung verfolgt hat. Aber das ist heute anders.

Deshalb dürfen wir unseren Eltern heute dankbar sein für alles, was sie für uns erreicht haben. Und wir dürfen uns heute auch mal ausruhen und unserem wohlmeinenden, ständig arbeitenden Verstand mal eine Pause verordnen. Er hat es immer sehr gut gemacht, jetzt darf er sich auch mal ausruhen. Wir können und dürfen uns heute die Zeit nehmen, langsamer zu machen, auch mal gar nichts zu tun, sondern nur da zu sein. (Fühlt sich nicht allein dieser Satz gut in uns an?)

Und wir dürfen hineinspüren, ob all die verinnerlichten Glaubenssätze, besonders die kritischen Äußerungen der Eltern unserer Kindheit, so heute noch für uns gelten. Wir sind jetzt erwachsen, und wir dürfen uns verhalten wie Erwachsene. Dabei haben wir einen untrüglichen Radar direkt in uns: Unser Herz. (Das Bauchgefühl.)

Befragen wir heute wieder mehr den Gegenpart des Verstandes – unser Herz -, was sich für uns wirklich richtig anfühlt. Der Verstand meint es gut, aber er weiß nicht alles bzw. bedient sich nur aus dem, was ihm eingetrichtert wurde.

Man spricht nicht umsonst vom Bauchgefühl. Das Bauchgefühl kann uns sehr gut zeigen, was wir jetzt gerade wirklich brauchen oder wollen. Hier merken wir, was für uns tatsächlich wahr und richtig ist.

Und wir erlauben an diesem Wochenende auch unserer Familie, nur das zu tun, was sie wollen. Bleiben wir im Schlafanzug oder gleich ganz im Bett. Genießen wir einfach nur, dass unsere Lieben um uns herum sind.

Keine festen Essenszeiten, jeder isst, was und wann er will. Mutter hat heute keine Verpflichtungen. Sie kocht nur, wenn sie möchte.

Lesen wir mal wieder ein schönes, „sinn- freies“ Buch, backen einen Kuchen oder werden sonstwie kreativ.

Machen wir Urlaub Zuhause und Urlaub im Kopf.

Graben wir ein altes Hobby wieder aus. Was konntest du als Kind stundenlang tun? Tu es doch heute mit deinem Kind. Oder allein. …

Das alles sind nur ein paar Ideen, auf keinen Fall „To dos“ für dein Wochenende. Du musst gar nichts tun. Nie mehr!

Das Wort „muss“ wird ab jetzt ersetzt durch „ich kann“ bzw. „ich darf“ oder „ich möchte“. Höre zunehmend auf dein Herz. Darin ist alles, was du wissen willst.

Viel Spaß!

PS: Zum Verständnis des Inneren Kritikers empfehle ich sehr die Vorträge von Robert Betz (kostenlos und legal auf youtube). Er befasst sich ausführlich damit, wie die Kritik und Sprüche unserer Eltern unserer Kindheit noch heute in uns wirken, und wie wir sie hinterfragen können. Das ist das grundlegende Thema in allen seinen Vorträgen.

Meine Anregung ist jetzt also: Höre auf dich selbst. Tue an diesem Wochenende nur, was du willst.

Mach dir deine kommende Woche so einfach und so leer (frei) wie möglich und plane deine laufende oder deine nächste Woche. Jetzt.