Rituale sind toll. Ich meine kein Voodoozeugs oder so, sondern wiederkehrende feste Tage oder Termine, die uns gut tun und unser Leben ein klein wenig „automatisieren“, damit wir nicht jedes Mal wieder neu drüber verhandeln oder nachgrübeln müssen.

Wie ich immer wieder merke, werde ich immer „allergischer“ dagegen, wenn etwas mir meine kostbare (Lebens-)Zeit raubt oder ich für sinnlose Aktivitäten eingesetzt werde. Meine Lebenszeit ist mir einfach zu wertvoll, um sie zu verschwenden. (Komme ich langsam in die Midlife Crisis?)

Ich bin erwachsen, ich bin ein freier Mensch, ich möchte selbst über meine paar Jahrzehnte, die ich auf dieser Erde habe, bestimmen. Deshalb arbeite ich auch nur noch frei. Eine Festanstellung ist mir heute wirklich körperlich zuwider.

In meinen ersten Jahren der Selbständigkeit hatte ich eine eigene Konzertagentur. An 1 bis 2 Tagen pro Woche arbeitete ich auch noch in einer anderen Agentur mit. Glücklicherweise konnte ich auch dort die Termine frei absprechen, und so wähle ich möglichst nicht den Montag.

Montag ist mein Kleinkramtag.

Ein Tag, an dem ich Zeit brauche, wieder in die Arbeitswoche reinzukommen. Den möchte ich in meinem eigenen Tempo angehen. Am Montag komme ich oft schwer in Gang, hatte früher den Montagsblues, das Gefühl von „wieder Arbeitstag“, „du musst noch“, aber nicht den richtigen Schwung, anzufangen.

Montag ist auch heute noch mein Kleinkramtag im Heimbüro. Ketchup. (Catch up.) Ich nehme mir Routineaufgaben vor, versuche, mein E-Mail-Postfach leerzuräumen (Inbox Zero), räume meine Ablage auf, damit ich „verschollene“ Papiere nicht aus den Augen verliere, solche Sachen. Immer mit dem geringst möglichen Aufwand (Welche Mail muss ich wirklich beantworten? Kann ich sie nicht einfach zur Kenntnis nehmen und löschen?) Babyschritte.

Die Nutzung der weiteren Wochentage richtet sich z. T. nach äußeren Terminen, wöchentlichen Meetings oder Kursen, Zeiten, an denen meine Klienten oder Kollegen Zeit haben …

Ich versuche, auch hier möglichst Sinn in die Aufgaben zu bringen und mir meine Woche im voraus klug einzuteilen: Wenn ich am Mittwoch ein Meeting habe, lege ich Aufgaben, die ich noch für dieses Meeting zu erledigen habe, eben in die Stunden davor. Ein bisschen Motivation und gesunder Zeitdruck für mich selbst. Nur so ergibt die Aufgabe für mich Sinn: Dann „muss“ ich sie erledigen (wenn sie wirklich wichtig sind). Es funktioniert.

Mittwoch, Donnerstag und Freitag funktionierten wunderbar für Arbeitstage in der fremden Agentur.

Dass ich außer Haus musste und dort quasi „festsaß“, tat mir und meiner Arbeitsmoral für meine eigene Agentur sogar zeitweise sehr gut. Ich war dort umgeben von anderen Kollegen, die genau das Selbe taten wie ich:

Konzerte buchen, Künstler vermitteln, Veranstaltungen organisieren. Musiker kamen ins Haus, ich hatte Kollegen, die ich fragen, von denen ich mich inspirieren lassen konnte. Ich hatte Abwechslung, konnte ihre Konzerte mit betreuen und erleben.

Und ich hatte einfach Gesellschaft. An diesen Tagen schaffte ich sehr viel und war für meine eigene Agentur motivierter als von meinem Homeoffice aus.

Deshalb konnte ich dann an meinen Homeoffice-Tagen auch entspannter damit umgehen, wenn ich meinte, jetzt Agentur-To dos erledigen zu „müssen“, aber keine Energie dafür aufbringen konnte. An den Tagen in der anderen Agentur brachte ich für die Woche wieder so einiges ins Rollen, dann lief die Arbeit von Zuhause aus ebenfalls flüssiger und gelassener.

(Na ja, aber letztendlich erkannte ich ja, dass die Agenturarbeit an sich nicht die Richtige für mich war und zog Ende 2013 die Konsequenzen und schloss meine eigene Agentur. Das war der richtige Schritt, ich fühle mich immer noch wunderbar erleichtert, auch wenn es in dem Moment schmerzhaft für mich war.)

Genau so gut funktioniert auch ein Co-Working Space oder ein Café, wenn dir Zuhause im Heimbüro manchmal die Decke auf den Kopf fallen sollte.

Ich habe herausgefunden, dass ich, wenn ich an meinem eigenen Schreibtisch im Homeoffice arbeite und in eine Arbeit vertieft bin, mich abends ungern davon losreiße, um einen Termin wahrzunehmen. Gegen 17, 18 Uhr bin ich erst so richtig in die Arbeit vertieft und im Flow. Deshalb werde ich jetzt künftig meine Yogastunden doch wieder auf Vormittage verlegen. Was auch besser mit dem morgendlichen langsamen Erwachen und den Essenszeiten zusammenpasst.

So will auch Freizeit gut geplant sein.